Westfälische Nachrichten, 08. Juli 2008
Bestnoten für Eleganz von Irina Rozhneva
Münster – Hiltrup. Sir Donnerhalls kulleräugige Nachkommenschaft könnte das Posieren vor der Kamera noch etwas üben. Wie soll aber ein Hengstfohlen, das noch nicht einmal drei Monate alt ist, konzentriert in eine langweilige Linse stieren, wenn um es herum alles so aufregend und neu ist? Gerade noch hat es unter der Führung von Dominik Epping der Jury der Stutenschau seinen schönsten Trab vorgeführt, schon muss das Fohlen wieder raus in die Schrittrunde. Gut, dass wenigstens Mama nicht von seiner Seite weicht.
Dieser Prozedur mussten sich alle 20 Fohlen unterziehen, die gestern an der Fohlen- und Stutenschau auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins Amelsbüren teilnahmen. Zwei Runden hatten die Preisrichter vom Verein „Westfälisches Pferdestammbuch“ Zeit, die Fohlen zu bewerten. Der Verein ist für alle Zuchtfragen im Raum Westfalen zuständig. „Wir achten bei den Fohlen vor allem auf Schönheit und Beweglichkeit,“ nennt Geschäftsführer und Zuchtleiter Dr. Friedrich Marahrens die beiden wichtigsten Bewertungskriterien.
Eine offizielle Benotung gibt es aber in diesem Alter noch nicht: Die drei Fohlen, die gestern als Beste eingestuft wurden, durften noch ein Mal vor das Publikum treten, bevor ihre Besitzer sie zum Registrieren wegführten. Darunter fällt auch das Kennzeichnen mit einem Brandzeichen – dem W für Westfalen, das alle Reitpferde, Ponys und Kaltblüter dieser Region tragen.
Die dreijährigen Stuten, die sich ebenfalls auf der Veranstaltung präsentierten, hatten da mehr zu kämpfen. Denn für die Besitzer ging es um die Zulassung zu einer der Eliteschauen, die im Rahmen der Westfalen-Woche Ende Juli stattfinden werden. Dort haben die Stuten die Chance auf eine „Staatsprämie“ - fast die höchste Auszeichnung in der nordrhein-westfälischen Pferdezucht.
Deswegen wurden die Tiere auch streng bewertet – nach Typ, Körperbau, Korrektheit des Ganges, Schritt und Trab. Der Gesamteindruck spiegelte sich dann in einer Note zwischen eins und zehn wieder. Erste Plätze gab es diesmal für Münsteraner Stuten nicht. Unter den Reitponystuten siegte „Donnerblume“ vom Gestüt Erlebruch in Lüdinghausen und wurde somit zur Eliteschau zugelassen. Bei den Reitpferden lag eine Stute des Züchters Frank Wohlhorn aus Sendenhorst vorn, sie kommt zunächst auf die Reserveliste zur Eliteschau.
Eine Stutenschau ist auch ein Wettbewerb – wie sieht das eigentlich mit der Nervosität aus? „Pferde sind da nicht anders als Menschen“, so Ines Friepörtner, Pferdebesitzerin aus Amelsbüren. „Es ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Jedoch sind die Fohlen natürlich unruhiger, weil sie zum ersten Mal einer solchen Schausituation gegenüberstehen.“